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_Europäischer Krimipreis
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»Vielleicht gehöre ich zu jenen Autoren, die in ihren Romanen beschreiben, was sie selbst gern leben würden.« Fred Vargas

 

Das Portrait

1994 erscheint in Frankreich ihr erster Roman. Fred Vargas nennt ihn »Rom.pol« – von »roman policier«. Jahrelang bleibt die junge Autorin ein Geheimtipp. Sie arbeitet als Archäologin in einem Forschungsinstitut, lebt mit ihrem Sohn im Pariser Stadtteil Montparnasse und schreibt fast ausschließlich nachts und in den Ferien. Noch als Studentin sucht sie nach einem Ausgleich zu der oft sehr nüchternen Materie der Archäologie. Sie widmet sich der Musik, genauer dem Akkordeon, lässt das Spielen aber wieder sein. Sie findet, sie tauge nicht dazu. Also beschließt sie eines Abends, 28 Jahre alt, einen Kriminalroman zu schreiben.

 

Der Beginn einer Laufbahn: Heute ist Fred Vargas »die Königin des französischen Kriminalromans«, Bestsellerautorin in Europa, übersetzt in 40 Sprachen, gekrönt mit bedeutenden nationalen und internationalen Literaturpreisen. Sie gewinnt unter anderem den ELLE-Leserinnen-Preis und den französischen Buchhändlerpreis. 2004 wird ihr Roman »Fliehe weit und schnell« mit dem Deutschen Krimipreis geadelt, 2005 »Der vierzehnte Stein« von der »Welt« zu einem der drei besten Krimis des Jahres gekürt. Auf der literarischen Bühne tritt Fred Vargas sehr zurückhaltend auf. Die Medien meidet sie: »Arbeiten ist mir viel lieber, ehrlich«, sagte sie einmal in einem Interview. »Denn sobald Sie sich ›da oben‹ einrichten, können Sie die Hoffnung aufgeben, gute Arbeit zu leisten.«

 

Die sicher zentralste Figur in diesem »Universum« ist Jean-Baptiste Adamsberg, Held der zuletzt erschienenen Romane, über den in der Presse gemutmaßt wurde, er sei das Alter ego der Autorin. Weil Fred Vargas als scheu und verschlossen gilt. Im Grunde jedoch sei er, so sagt sie, ihr genaues Gegenteil. Unter den Kommissaren dieser Welt ist Adamsberg wohl die seltenste Erscheinung. In seinem Wesen ein Waldund Gebirgsmensch geblieben, aufgewachsen in den Pyrenäen, kommt er nach Paris (»Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord«), wo ihm der Ruf vorausgeht, eine Reihe komplizierter Fälle auf unerwartete Weise gelöst zu haben.


 

 

Schweiger, Träumer, Einzelgänger, vertraut er seiner Intuition mehr als der Logik und hat es damit inzwischen zum Chef der Mordbrigade des 13. Pariser Arrondissements gebracht – bewundert, aber nicht nur geliebt. Denn seine Genialität hat auch etwas Hochmütiges, das ohne den Beitrag seiner Mitarbeiter auszukommen meint. Adamsberg hat ein schönes, zerklüftetes Gesicht und eine Stimme, die sich wie Balsam um sein Gegenüber zu legen vermag.

 

»Für diesen Kommissar«, schreibt eine Rezensentin von ELLE, »würde man schon gern mal eine kleine Gaunerei begehen, nur um von ihm die Handschellen angelegt zu bekommen.« Auf sein Äußeres jedoch legt er nicht den geringsten Wert: sein zerknautschtes Jackett ist legendär. Er begehrt die Frauen, viele Frauen, und verletzt damit immer wieder die einzige, die er wirklich liebt, Camille. Von Buch zu Buch habe Adamsberg, sagte Fred Vargas einmal, mehr Raum eingenommen. Nach »Bei Einbruch der Nacht« und »Fliehe weit und schnell« habe sie ihn in »Der vierzehnte Stein« von seinem Sockel stürzen müssen: Er wird zu einem Menschen auf der Flucht. Das kostet ihn fast seine Existenz.

 

Fred Vargas lässt ihren Adamsberg immer tiefer in uralte Mythen eintauchen. In »Die dritte Jungfrau« spukt der Schatten einer frauenmordenden Nonne aus dem 18. Jahrhundert des Nachts über den Dachboden. Wohingegen »Der verbotene Ort« den Kommissar ins einstige Transsilvanien an den Ursprung einer alten Legende führt.

 

Auch im neuen Roman, »Die Nacht des Zorns«, wandelt Fred Vargas auf den Spuren eines jahrhundertealten Mythos. Fein gestrickt ist der Plot, ausgefeilt sind Sprache, Personen, Verwicklungen. Herrliche Dialoge hat Vargas erdacht, und sie überrascht, wie immer, mit viel Humor selbst in makabren Situationen. Der ganze Roman ist Literatur. Man genießt sie ebenso, wie man der Aufklärung der Mordfälle folgt.

 


 

»Der Kriminalroman gehört zu der Art von Literatur, die guttun kann.« Fred Vargas