Julia Mann
Julia Mann wurde 1851 in Angra dos Reis/Brasilien geboren, wo sich ihr Vater Johann Ludwig Hermann Bruhns als Kaufmann niedergelassen und die fünfzehnjährige Maria Luiz da Silva, Tochter eines portugiesischen Plantagenbesitzers, geheiratet hatte. 1858, als Julias Mutter mit achtundzwanzig Jahren im Kindbett starb, begab sich der Vater mit den fünf Kindern in seine Heimatstadt Lübeck. Hier schickte er die beiden Töchter in das Pensionat von Therese Bousset, die den Mädchen half, über den Verlust der Mutter hinwegzukommen und sich in der fremden Umgebung einzuleben. Mit sechzehn Jahren verließ Julia das Pensionat und lebte in der Familie ihres Onkels. Bei einem Fest lernte sie den jungen Kaufmann Thomas Johann Heinrich Mann kennen, den sie am 4. Juni 1869 heiratete. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: 1871 Heinrich, 1875 Thomas, 1877 Julia, 1881 Carla und 1890 Viktor. Als der Senator Mann 1891 starb, war Julia eine Frau von vierzig Jahren und verantwortlich für fünf minderjährige Kinder. Sie zog nach München, später nach Polling bei München, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1923 lebte. Sehr lesenswert als Zeugnis einer leidenschaftlichen Mutter, anrührend ihre Bemühungen um die Versöhnung von Heinrich und Thomas im Jahr 1921. Wichtige Ergänzung zu den Biographien der Mann-Söhne. Julia Mann erschloss ihren Kindern, was ihr selbst am Herzen lag: Musik und Literatur. Sie las ihnen nicht nur vor, sondern schrieb für sie auch ihre Erinnerungen auf, erfand Märchen und Geschichten. "Aus Dodos Kindheit" ist eine autobiographische Skizze über ihre Kindheit im brasilianischen Urwald und die Übersiedlung nach Lübeck, wo sie glaubte, Zucker falle vom Himmel, weil sie Schnee nicht kannte. Die Pensionatsvorsteherin Therese Bousset (Sesemi Weichbrodt in den "Buddenbrooks") nahm sich des Mädchens verständnisvoll an. Dem Schmerz um die so früh verstorbene Mutter folgte fünfzig Jahre später die Erschütterung über den Selbstmord ihrer Tochter Carla. Er traf sie umso mehr, als sie zeitlebens versucht hatte, in harmonischer Gemeinschaft zu bewahren, was sie selbst als Kind verloren hatte: die Familie. Der Briefwechsel mit dem ältesten Sohn Heinrich zwischen 1894 und 1922 ist dafür ein beredtes Zeugnis.
»Sie erweist in ihren Briefen eine Leidenschaft zum Ausgleich, zur Eintracht, die anrührt.« SZ über: »Ich spreche so gern mit meinen Kindern«