Elisa Shua Dusapin: Über das Schreiben, Sokcho und den Winter

© Yvonne Böhler / Editions Zoé»Ein Winter in Sokcho« erzählt melancholisch und leise die Geschichte zweier Gestrandeten:  Im eiskalten Sokcho, einem Küstenort kurz vor Nordkorea, begegnen sie sich: die junge Angestellte einer Pension und ein Künstler aus der Normandie.  Während er die Stille von Sokcho zum Zeichnen sucht, möchte sie ihr entfliehen. Mit jedem Gespräch, jedem Spaziergang durch das winterliche Nirgendwo kommen die beiden einander näher. Wir haben der Autorin des Romans, Elisa Shua Dusapin, ein paar Fragen rund um ihr Erstlingswerk, das Schreiben und den Winter in Sokcho gestellt.

Wann und wo schreibst du am liebsten?
Am Anfang des Schreibprozesses, wenn ich noch Ideen versammle, ist die Tageszeit mir ziemlich egal, irgendwo und irgendwann schreibe ich ein paar Sätze im Notizbuch. Aber dann, wenn ich den Roman wirklich anfange zu schreiben, dann arbeite ich am liebsten morgens.

Gab es Musik, die dich beim Schreiben von »Ein Winter in Sokcho« begleitet hat? 
Beim Schreiben höre ich keine Musik, weil ich total konzentriert sein muss. Aber vor und nach der Schreibzeit habe ich Yun Sun Nah besonders viel gehört, ja. Ich hatte ihre Arbeit 2013 auf dem Montreux Jazz Festival zufällig entdeckt, und wurde vom “Gangwando Arirang” sehr geprägt. Der “Arirang” ist das koreanische Nationallied. Jedes Gebiet hat seine eigene Interpretation dieses Liedes. Das, das Yun Sun Nah singt, gehört zu der Region von Sokcho.


 

Warst du jemals in Sokcho oder kennst du den Ort nur aus Erzählungen?
Wenn ja, wie hast du diesen Ort erlebt?Ich bin mehrmals in Sokcho gewesen. Zuerst mit meinen Eltern und Schwestern, um zu wandern. Es war Herbst, aber es war schon sehr kalt, und damals habe ich die leere Stadt mit den armen Fischhändlern als traurig empfunden. Dieses Gefühl der Einsamkeit hat mich zu der Ich-Erzählerin geführt, und drei Jahre später bin ich wieder in Sokcho gewesen, um zu recherchieren. Dieses Mal hat mich die Stadt stark beeindruckt und trotz dieser Melancholie habe ich sie sehr schön gefunden. Nicht schön im ästhetischen Sinne, aber schön für die Kraft und Wiederstandsfähigkeit angesichts der Geschichte, die daraus hervorgeht.

Welches ist deine Lieblingsjahreszeit und warum?

Ich mag alle Jahreszeiten. Die Natur ist mir besonders wichtig. Sobald es möglich ist, gehe ich laufen oder wandern, unabhängig vom Wetter. Ich mag Regen und Nebel. Bei solch einem Wetter kann ich mich besser auf mein Inneres fokusieren, oder meine Gedanken einfach frei ziehen lassen, wie beim Schreiben. 

Schreibst du an einem neuen Roman?
Ja – darüber kann ich sprechen, wenn die Zeit dafür reif ist! 

 


Über Elisa Shua Dusapin

Elisa Shua Dusapin, geboren 1992, wuchs als Tochter eines französischen Vaters und einer südkoreanischen Mutter in Paris, Séoul und Porrentruy auf. Sie hat am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel studiert. »Ein Winter in Sokcho« ist ihr erster Roman, für den sie u. a. den Robert-Walser-Preis 2016 erhalten hat.


Elisa Shua Dusapin
Ein Winter in Sokcho 

Übersetzer/in Andreas Jandl
Gebunden mit ausklappbarem Vorsatz, 144 Seiten
Blumenbar
978-3-351-05051-1 

18,00 € *) Inkl. 7% MwSt.

 

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Foto: © Yvonne Böhler / Editions Zoé