Ellen Berg: »Alles muss man selber machen«

Ellen Berg: »Schluss mit lieb und nett – nehmt euch, was ihr braucht!«

Ehe kaputt? Job weg? Konto leer? Tja, das kann jedem mal passieren. Dann heißt es, sein Schicksal tatkräftig in die Hand zu nehmen. Doch gerade Frauen fällt es oft schwer, ihre Wünsche zu formulieren und klare Forderungen zu stellen. Weil wir dazu erzogen wurden, immer lieb und nett rüberzukommen. Meist zu nett. Hier sind sieben Tipps, wie man erfolgreich für die eigenen Interessen einsteht – und sein Leben wieder in den Griff kriegt!
Alles muss man selber machen
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1. Lass dir nicht die Butter vom Brot nehmen!

Heikle Phasen kosten Kraft. Da möchte man sich am liebsten verkriechen, oder? Aber wenn nichts mehr geht, gibt’s nur eins: kämpfen. Also raus aus dem Schneckenhaus! Bei Trennungen ziehen oft Frauen den Kürzeren, weil sie denken: Das wird schon, der Ex würde mich doch niemals ausbooten. Falsch. Sofort Ansprüche anmelden: Möbel, Bettwäsche, Thermomix, Unterhalt, das gemeinsame Auto – nimm mit, was du kriegen kannst, bevor es zu spät ist! Bei einer – ungerechten – Kündigung deines Jobs nicht lange jammern, sondern Abfindung, Freistellung, ein Super-Zeugnis verlangen, eventuell eine Anwältin konsultieren. Wenn’s am Geld hapert, sofort auf die Sparbremse treten. Von nun an lädst du nicht mehr alle zum Bier ein, verteilst keine großzügigen Geschenke mehr, lässt dich nicht mehr von jedem ausnutzen. Mutter Teresa war gestern. Jetzt musst du an dich denken.  

 

2. Nur keine vornehme Zurückhaltung!

Jaja, wir kennen die Klagen über die Ellenbogengesellschaft. Aber mal ehrlich: Könnte es sein, dass du deshalb durchhängst, weil du immer brav genickt und anderen den Vortritt gelassen hast? Tough sein ist kein Charakterfehler, es ist eine Überlebensstrategie. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an. Vielleicht hast du in deiner Beziehung zu oft geschwiegen und auch faule Kompromisse akzeptiert? Dann melde dich jetzt jederzeit zu Wort, wenn dir was nicht passt, auch bei Freunden. Im Job hast du dir immer unbezahlte Extraarbeiten und Überstunden aufbürden lassen? Nie wieder, bitte – oder halt mit klaren Forderungen, was du dafür erwartest. Im Supermarkt ziehst du meist den Kürzeren, weil dir dauernd jemand das heiße Sonderangebot wegschnappt? Schluss damit. Wer sich immer alles gefallen lässt, geht am Ende leer aus.

 

3. Rache ist besser als Frust!

Wenn’s nicht rund läuft, schiebt man das volle Depri-Programm: Trauer, Frust, Trübsal blasen. Und das, obwohl man vor lauter aufgestauter Wut am liebsten das gesamte Geschirr zertrümmern möchte. Was du vielleicht nicht weißt: Psychologen raten, die Wut bloß nicht zu unterdrücken. Vielmehr empfehlen sie, alles rauszulassen – und zwar in Form raffinierter Rache! Okay, Vergeltung hat keinen guten Ruf, doch Fachleute sprechen von Psychohygiene. Rache sei die Chance, „passiv Erlittenes in aktiv Gehandeltes zu verwandeln“, sagt der Schweizer Psychoanalytiker Professor Léon Wurmser. Und genau darum geht es: Aktiv werden statt passiv bleiben. Dein Ex hat dir übel mitgespielt? Dann revanchiere dich, aber sowas von. Der Arbeitgeber war fies zu dir? Bestimmt weißt du, wie du es ihm heimzahlst. Und wenn du dir die neuen Schuhe nicht leisten kannst, darfst du sogar ein heftiges „Sch…“ von dir geben. Es ist nämlich wissenschaftlich erwiesen, dass auch kräftiges Fluchen der Psychohygiene dient.

 

4. Bitte um Hilfe!

Frauenpower wird leicht mit Einzelkämpfertum verwechselt. Deshalb klammern sich viele an das Selbstbild: Ich schaffe das allein, ich wuppe alles mit links. Hilfe suchen wird da leicht als Schwäche eingestuft. Das Gegenteil ist der Fall. Wer andere bittet, beim Neustart zu helfen, beweist Stärke. Auch das ewige „Ich-will-ja-keinem-zur Last-fallen“ ist eine typische Sackgasse. Also los. Professionelle Hilfe nach dem Ende einer Beziehung findest du bei Therapeut:innen. Ganz wichtig, um Verletzungen aufzuarbeiten und verlorene Energie zurückzugewinnen. Beruflich sollte man unbedingt auf aktives Networking setzen. Der neue Job winkt vielleicht schon, wenn man sich im Bekanntenkreis umhört. Bei akutem Geldmangel darf man sich auch mal was bei Freunden ausleihen – sei es ein Fahrrad, ein Fondueset oder ein Abendkleid –, statt sich mit Neuanschaffungen zu übernehmen. Revanchieren kann man sich hinterher mit netten Gesten, zum Beispiel mit selbstgebackenem Kuchen.

 

5. Sei offensiver!

Bestimmt kennst du den alten Spruch: Brave Mädchen kommen in den Himmel, freche kommen überall hin. Besonders uns Frauen tut mehr Frechheit beziehungsweise ein offensiveres Verhalten gut. Ein klassisches Beispiel ist die Karriere: Männer steigen häufiger, steiler und wesentlich früher auf als ihre weiblichen Kollegen. Warum? Weil sie in Cowboy-Manier nach vorn preschen, nach den Sternen greifen und ja, auch Machtspiele beherrschen. Wenn dein Leben aus den Fugen geraten ist, hilft deshalb eine Bestandsaufnahme: Wo habe ich mich weggeduckt? Wann hätte ich klarer meine Beziehungs-No-Gos, meine Gehaltsvorstellungen, meine Werte verteidigen müssen? Probier’s mal aus. Sei vorlaut, rede frei von der Leber weg, was du willst. Wie sagte es Simone de Beauvoir doch so schön: „Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.“

 

6. Bewahre einen kühlen Kopf!

Nichts ist so demoralisierend wie das Gefühl, dass einem alles entgleitet. Aber Gefühl und Realität klaffen oft ziemlich weit auseinander. Zielführend ist es, eine nüchterne Bilanz zu ziehen: Wo stehe ich? Was ist mein größtes Problem? Was kann ich konkret tun? Womit fange ich an? Jeder kleine Erfolg hilft dem angeknacksten Selbstbewusstsein auf die Sprünge. Einsame Abende nach der Trennung vermeidet man durch Kinobesuche, Spaziergänge und Treffen mit Freunden. Bei der Jobsuche hilft es, sich auf seine objektiven Stärken zu besinnen – und bloß nicht die vermeintliche Schmach einer Kündigung raushängen zu lassen. Bei finanziellen Problemen hellt jeder gesparte Cent die Seele auf. Klamotten werden getauscht statt gekauft, die Waschmaschine läuft kostenschonend nachts, immer nur abends tanken schont das Budget. Hast du schon eine Schnäppchen-App auf dein Handy geladen?    

 

7. Steh dazu!

Der größte Feind eines Neustarts ist die Scham. Ja, wir schämen uns, wenn die Ehe scheitert, der Job weg ist oder Ebbe auf dem Konto herrscht. Oft stecken verborgene Schuldgefühle dahinter – selbst dann, wenn wir unverschuldet in eine Krise schlittern. Weil man uns Frauen einredet, dass immer nur wir schuld sind. Das blockiert uns ganz gewaltig. Umso wichtiger ist es, offen mit Rückschlägen umzugehen. Nur keine falsche Scham. Man darf sagen, dass man leider wieder Single ist, keinen Job mehr hat und momentan weder ein Urlaub noch teure Restaurantbesuche drin sind. Erhobenen Hauptes zur momentanen Flaute zu stehen ist der Anfang einer Wendung zum Besseren. Wahre Freunde haben Verständnis dafür. Sie trösten, unterstützen, richten auf. Die anderen „Freunde“ kann man sowieso knicken.